| | Kurzchronik
Der
Verband oberrheinischer Narrenzünfte von der Gründung bis heute
Die
nachfolgenden Ausführungen stellen einen sehr groben Abriss der
Verbandsgeschichte ohne detaillierte Auflistung aller Ereignisse dar.
Sie sollen lediglich dazu dienen, in kurzen Worten einen groben
Überblick über Vergangenheit und Gegenwart des V.O.N. zu verschaffen.
Bereits
1935 fanden Versammlungen zur Gründung des V.O.N. statt,
in denen Regularien und Procedere besprochen wurden, die es ermöglichen
sollten, einen gemeinsamen Verband zu gründen. Bei diesen Versammlungen,
die zwar in dem Beschluss mündeten, einen Verband zu gründen, ohne
jedoch die Gründung de facto zu vollziehen, waren erstaunlicher Weise
mehr Zünfte vertreten, als dann tatsächlich bei der eigentlichen Verbandsgründung
1937 anwesend waren. Was genau der Grund für die Abwesenheit
dieser Zünfte war, konnte bis heute nicht belegt werden. Tatsache ist
jedoch, dass diese Versammlungen nicht die Gründungssitzungen, sondern
beratende Vorgespräche waren.
Die eigentliche
Gründungsversammlung des V.O.N. erfolgte im Jahr 1937 in den
Harmoniesälen in Freiburg.
Wie bereits erwähnt, waren zwei
Jahre zuvor Bestrebungen im Gange, einen Verband im „Grenzland im
Südwesten“ zu gründen, was den damaligen Machthabern ein großes Anliegen
war. Die Reichsregierung mit Reichsleiter Robert Ley und Reichsminister
Dr. Josef Goebbels forderte mit Nachdruck die Gründung des Bundes
Deutscher Karneval (BDK), an den sich der noch zu gründende V.O.N. dann
anzuschließen hätte. In die Gründungsphase des Verbandes spielte
ebenfalls die Tatsache mit hinein, dass die Zünfte Säckingen, Breisach
und Freiburg zwar Mitglieder der Vereinigung schwäbisch-alemannischer
Narrenzünfte (VSAN), jedoch mit der bestehenden Praxis, die Zünfte in
eine althistorische und eine lediglich historische Gruppe zu teilen,
äußerst unzufrieden waren. In dieser Stimmung von völkischen
Brauchtumsgedanken, politischen Zwängen und handfesten pragmatischen
Interessen war sicher ein Konsens zur Verbandsgründung sehr schwierig zu
erreichen. Das Ergebnis der Verhandlungen durfte sich aber durchaus
sehen lassen.
Die Zünfte Breisach, Freiburg (mit Herdern),
Kenzingen, Lahr, Lörrach, Staufen und Weil am Rhein gründeten am 07.
März 1937 in Freiburg den Verband Oberrheinischer Narrenzünfte. Noch
im selben Jahr stießen Rheinfelden, Säckingen, Zell im Wiesental, 1938
Schopfheim und 1939 Endingen, Neuenburg, und Oberkirch dazu.
Nachdem 1938 und 1939 noch Zunftmeistertagungen und Narrentage
stattfinden konnten, beendete der zweite Weltkrieg abrupt das närrische
Treiben am Oberrhein.
Bereits 1948 konnte mit Zustimmung
der französischen Besatzungsmacht ein
Wiedergründungs-Zunftmeisterkonvent in Freiburg abgehalten werden. Ort
war, wie bereits bei der Verbandsgründung, wieder die „Harmonie“.
Freilich musste man auf Intervention der Besatzungsmacht den Namen in
„Verband badischer Narrenzünfte“ ändern, um die Ähnlichkeit zum in der
Zeit der NSDAP-Regierung gegründeten Verband nicht zu augenfällig werden
zu lassen. Doch die Wiedergründung war geschafft.
Manche Stadt
wie Breisach und Neuenburg lag in Schutt und Asche. Wie groß muss der
Mut dieser Männer gewesen sein, trotz des schrecklichen Krieges und
trotz vieler Entbehrungen einen Verband wiederzugründen?
Beim
Frühjahrskonvent in Lahr am 24. Januar 1954 erhielt der Verband
seinen alten und bis heute gültigen Namen „Verband Oberrheinischer
Narrenzünfte“ zurück. 1962 wurden Stimmen in der Presse laut, die
Fasnacht in Anbetracht der politischen Situation nicht abzuhalten, was
jedoch gottlob nicht durchgeführt wurde (zur Erinnerung – am 13.
August 1961 wurde mit dem Mauerbau begonnen).
1970
fand wie bereits 1960 auf Veranlassung des damaligen
Verkehrsdirektors Philipp Ernst (Ehrenmitglied des V.O.N.) die
Präsidialtagung des BDK in Freiburg statt. Am 14. Oktober 1974
wurde im Kenzinger Gemeinderat beschlossen, dem V.O.N. die
Räumlichkeiten der „alten Klosterschule“ zur Errichtung eines
Narrenmuseums zu überlassen und sich gleichzeitig am Ausbau und Betrieb
des Museums zu beteiligen. Am 03. Juni 1976 kam sodann eine Vereinbarung
zwischen der Stadt Kenzingen und dem V.O.N. zustande, in der die
Gründung eines Kuratoriums aus Vertretern der Stadt und des Verbandes
beschlossen wurde. Bereits am 25. Januar 1976 wurde die „Oberrheinische
Narrenschau“ in Kenzingen feierlich eröffnet. Ebenfalls stellte man
an diesem Termin anlässlich des 40.Verbandsjubiläums das Buch
„Entdecken, was Freude macht – Oberrheinische Narrenschau“ mit großer
Unterstützung der Kurmark-Zigarettenfabriken vor. So etwas war damals
noch möglich!
1980 wurde der Brauchtumsausschuss
gegründet, der über die Einhaltung der „zünftigen Fasnet“ wachen sollte
und bis heute den Mitgliedszünften auch beratend zur Seite steht. Im
Jahr 1984 wurde die Narrenschau umgebaut und erweitert. Am 05.
Mai 1984 fand hierzu die Feier zur Wiedereröffnung statt und der „Förderverein
Oberrheinische Narrenschau e.V.“ wurde gegründet.
Beim
Konvent 1990 in Grafenhausen/Schwarzwald war man guter Dinge und
freute sich auf den von der Narrengilde Lörrach vorbereiteten 18.
Oberrheinischen Narrentag, doch es sollte ganz anders kommen. Am 17.
Januar 1991 brach der Golfkrieg aus und schon zuvor waren laute
Pressestimmen mit der Forderung zur Absage der Fasnet nicht mehr zu
überhören. In dieser antifasnächtlichen Stimmung musste es zur Absage
des Narrentages kommen. Darüber hinaus wurde der Druck der Medien so
stark, dass sich die in der Arbeitsgemeinschaft Südwestdeutscher
Fasnachtvereinigungen zusammengeschlossenen Verbände am 22. Januar zu
einer gemeinsamen Erklärung genötigt sahen, die empfahl, die Fasnet 1991
komplett ausfallen zu lassen. Viele echte Fasnächtler ließen sich
jedoch davon nicht abbringen und feierten eine kleinräumige, intensive
Fasnet weg von jeglicher Organisation. Allgemein wurde in den
Folgejahren jedoch die Meinung vertreten, dass man sich nie mehr von den
Medien zu einem „Fasnachtsverbot“ hinreißen lassen darf.
Am 08.
Februar 1992 wurde die Narrenschau nach abermaliger neunmonatiger
Umbauzeit wieder eröffnet. In den Jahren danach gab es nach einigen Auf
und Ab in den Besucherzahlen die Chance zur Konsolidierung der
Verhältnisse. Die Narrenschau Kenzingen ist in den letzten Jahren stetig
gewachsen und attraktiver gestaltet worden, die letzten umfangreichen
Erweiterungen im Inventarbereich sind gerade ein paar Wochen alt.
1998
errichtete der Verband in Freiburg sein Zentralarchiv, in dem
auf 150 Quadratmetern wichtige Exponate der Verbandszünfte verwaltet und
gelagert werden.
Der Verband verfügt derzeit über 30.000 aktive
Mitglieder und 5.500 Jugendliche unter 16 Jahren, die in den 82
Mitgliedszünften organisiert sind. Die Gremien des Verbandes sind der
Vorstand und das Präsidium, das sich aus den Vorständen des Verbandes
sowie den Narrenvögten und deren Stellvertretern der sechs Vogteien
zusammensetzt. Jährlich wird ein Herbstkonvent abgehalten, in dem über
wichtige Entscheidungen beraten und abgestimmt wird. Zum Konvent treffen
sich Vertreter aller Zünfte an wechselnden Veranstaltungsorten. Der
Konvent erstreckt sich hierbei über zwei Tage.
Weitere Gremien
sind der Brauchtumsausschuss, der Redaktionsausschuss des
Oberrheinischen Narrenspiegels und der Förderverein Oberrheinische
Narrenschau e.V. mit Sitz in Kenzingen. Zweimal jährlich, im Mai und
November des Jahres, erscheint das Zentralorgan, der Oberrheinische
Narrenspiegel.
Auf der Homepage des Verbandes können sie sich
ständig über die Aktivitäten des V.O.N informieren, der Account hierzu
lautet www.von-online.de
Rainer Schwitzer Chronist des
V.O.N. |